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Hier ein kleiner Einblick in das Projekt "Ratsfelsen". Noch mehr zum Thema findet ihr auf der Ratsfelsen-Homepage: www.ratsfelsen.de
Weiter unten lernt ihr noch Teddy kennen und wenn ihr noch mehr von ihm und seinen Abenteuern lese wollt, klickt [hier]!!!  :: Ratsfelsen

Das Projekt „Ratsfelsen“ findet im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung von drei Pfadfinderverbänden statt, die im Ring deutscher Pfadfinderverbände zusammengeschlossen sind. Die Kooperationsveranstaltung hat in der vor zwei Jahren groß angelegten Sammelaktion von Kinderwünschen einen Vorläufer. Damals wurden Kinderwünsche, festgehalten auf Stofftaschentüchern, gesammelt und am 18. September 2002 in Hannover zusammengetragen. Mit einem großen informativen und unterhaltsamen Rahmenprogramm wurde eine Auswahl der Kinderwünsche (es waren insgesamt mehr als 14 000) an Vertreter/innen des Niedersächsischen Landtags übergeben. Das war verbunden mit der Bitte, die Kinderwünsche ernst zu nehmen und in politischen Entscheidungsfindungen zu berücksichtigen.
Diese Aktion wurde sehr positiv aufgenommen und hat die Motivation in den Pfadfinderverbänden erhöht, sich für Kinderwünsche und Kinderrechte einzusetzen.
So entstand die Idee, in diesem Jahr (und hoffentlich in allen folgenden Jahren) die Kinder selbst und direkt zu Wort kommen zu lassen Die Federführung für das Projekt „Ratsfelsen“ liegt zur Zeit bei zwei Ortsgruppen (Stämmen) des BdP, Bund der Pfadfinder und Pfadfinderinnen e.V. und wird in den Städten Wolfsburg und Walsrode durchgeführt 
Der Begriff "Ratsfelsen" stammt aus dem Dschungelbuch. Er ist der Ort, an dem die Ratsversammlung abgehalten wird. In der Ratsversammlung treffen sich alle Wölflinge. Sprechen über das Programm, beschließen, was sie tun wollen und reflektieren Dinge, die ihnen wichtig sind. Es wird hier auch über die Aufnahme neuer Wölflinge abgestimmt.
In den Pfadfinderverbänden ist die Kindermitbestimmung eine Selbstverständlichkeit. Innerhalb der Ausbildungs-Kurse für Gruppenleiter/innen ist die Frage der Mitbestimmung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen (im methodisch, inhaltlichen und entwicklungspsychologischem Sinne) selbstverständlicher Lerninhalt und in den Stämmen werden ebenfalls selbstverständlich alle Mitglieder, egal welchen Alters, in alle Angelegenheiten einbezogen. Dies geschieht nicht nur im Rahmen von demokratischen Wahlen.  :: Der erste Ratsfelsen (Luftsprünge 2004)

"In der Innenstadt stehen die Mülleimer an jeder Ecke, aber etwas weiter draußen wissen wir oft nicht, wohin mit unserem Müll." Der neun-jährige Florian schildert sein Anliegen. Er hat den Teddy in der Hand. Nur mit diesem Teddy in der Hand darf gesprochen werden und alle anderen hören aufmerksam zu. Während Florian seine Beobachtung mit den Mülleimern schildert, nicken einige Kinder drum herum. Ja, das ist so. Und warum eigentlich? Eine Politikerin des Wolfsburger Stadtrats notiert sich dieses Anliegen und bittet etwas später um den Teddy. Nun darf sie antworten. Sie bittet Florian um genauere Ausführung seiner Beobachtung und verspricht, sich mit dieser Sache zu beschäftigen.
Viele Anliegen werden an diesem Nachmittag von den sieben- bis 15-jährigen vorgetragen. Aus dem Stadtrat sind vier Politikerinnen gekommen, um an dem ersten Ratsfelsen in Wolfsburg teilzunehmen. Sie hören sich die Anliegen und Interessen der jüngeren Stadtbewohner/ innen an. Zu einigem äußern sie sich direkt, anderes muss von ihnen erst erkundet werden. Dann notieren sie sich die Adressen der fragenden und mitteilenden Kinder, um später Antwort geben zu können. Nur selten fallen die Politikerinnen in alte Rollen zurück und verteidigen ungefragt Parteienpolitik. Aber das ist heute nicht gefragt. 
Während dieses ersten Ratsfelsen in Wolfsburg sitzen alle eine Stunde lang gemeinsam um ein großes Feuer in der Jurte. Die Atmosphäre ist von Aufmerksamkeit und Interesse geprägt, der Rahmen (Jurte und Feuer) lenkt nicht ab, sondern unterstützt durch die Überschaubarkeit die Jüngeren darin, nach dem Teddy zu verlangen, also Redebeiträge zu liefern. Und die Politikerinnen wissen, dass sie heute keine Werbung für ihre Partei machen sollen. Vielmehr geht es um ernsthafte Anliegen, die ernsthafte Reaktionen erfordern. Die Organisatoren des Ratsfelsen, Stefan und Sebastian, machen sich Notizen. Sie wollen in den nächsten Wochen überprüfen, ob gegebene Versprechen auch umgesetzt werden. Denn die Anliegen der Kinder sind viel zu wichtig, als dass sie mit leeren Worten abgespeist werden dürften.
Die Bezeichnung "Ratsfelsen" entstammt dem Dschungelbuch. Die Pfadfinder/ innen arbeiten mit dem Dschungelbuch in der Kinderstufe (den 6-10jährigen). Die heißen "Wölflinge", sie werden in "Meuten" als kleinen Spielgruppen betreut und sie kommen am "Ratsfelsen" zusammen, um über ihre Anliegen und Wünsche zu sprechen. Es darf immer nur eine/ r sprechen, damit alle hören, was gesagt wird. Auf diese Weise wird schon früh eingeübt, was nicht nur im Pfadfinder-Leben wichtig ist: alle dürfen reden, alle sind wichtig und was gesagt wird, wird ernst genommen.
Die Idee mit dem Ratsfelsen–Projekt entstand im Arbeitskreis der Wölflingsstufe im BdP. Hier wird nicht nur die Pädagogik des Verbandes für die kleinsten Mitglieder diskutiert und weiterentwickelt, sondern hier werden auch die großen Themen des Verbandes für die Kleinen so bearbeitet, dass sie an allem teilhaben können. Denn mit 7 Jahren ist ein Wölfling ebenso wichtig wie eine Pfadfinderin mit 18 Jahren. Diese Gleichberechtigung kommt in der modernen Fassung des Ratsfelsens zum Ausdruck, wie sie bei den Pfadfindern praktiziert wird: als Methode, bereits ganz früh die Mitsprache und Mitbestimmung einzuüben.
Hinzu kam die Idee, eigene Methoden in Zusammenhang mit den Kinderrechten zu bringen und auch nach außen zu tragen. Nachdem vor zwei Jahren über 14 000 Kinderwünsche in ganz Niedersachsen gesammelt und an den Niedersächsischen Landtag überreicht wurden, wollte man in diesem Jahr, dass Kinder selbst zu Wort kommen.
Also entschied man sich für die Idee, einen Ratsfelsen in einer Stadt gemeinsam mit Politiker/ innen durchzuführen. Das Ganze ist als Modellprojekt gedacht und soll möglichst in andere Orte weitergetragen werden. Inzwischen hat im Juni der erste Ratsfelsen in Wolfsburg stattgefunden – und das kam so:
Sebastian und Stefan haben sich mit der Stadtjugendpflegerin und dem Beauftragten für das Wolfsburger Kinderbüro in Verbindung gesetzt. Sie haben das Projekt im Jugendhilfeausschuss der Stadt vorgestellt und sich mit Briefen an Stadtabgeordnete und die Presse gewandt. Das Projekt wurde von allen Seiten begrüßt. Es zeigte sich, dass die Sadt Wolfsburg bereits einige Erfahrung mit Mitbestimmungsprojekten gemacht hat, so dass man bereits wusste, dass die Meinung der Kinder in einer Stadt ziemlich wichtig ist.
Während des Ratsfelsens selbst konnten sich dann auch eingefleischte Skeptiker/ innen davon überzeugen, dass Kinder sehr wohl in der Lage sind, mit Weitblick ihr Lebensumfeld zu beurteilen. Alle vorgebrachten Anliegen bezogen sich nicht auf reine Eigeninteressen. Vielmehr hatten die Kinder neben ihrer eigenen auch die Situation anderer im Blick. So ging es um die Öffnungszeiten des städtischen Jugendzentrums, den Erhalt der Mühle als Treffpunkt für Pfadfinder/ innen,...
Einiges konnte direkt an Ort und Stelle von anwesenden Fachleuten beantwortet werden, anderes wurde von den Politikerinnen notiert, damit die Antworten später gegeben werden können.
Fazit:
Der nächste Ratsfelsen findet in Wolfsburg am 20.09.2004 statt. Wahrscheinlich am Springbrunnen in der Fußgängerzone. Die Meinungen der Kinder zählen überall.
 :: Der zweite Ratsfelsen (Weltkindertag)

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 :: zum vergrößern ins Bild klicken ::
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Das war er, der 20. September 2004, ein ganz normaler Montag. Aber Halt - war es wirklich ein ganz normaler Montag....
Nein, gewiss nicht. An diesem besagten Montag hat die Stadt Wolfsburg eine Vereinbarung unterzeichnet. Sie besagt, dass auf die Rechte der Kinder in politischen Entscheidungen Rücksicht genommen werden soll. Aber mal halb lang, fangen wir doch mal ganz von vorne an.
Es ist der Tag der Kinder, Weltkindertag. In Wolfsburg finden zu diesem besonderen Tag im Jahr wieder viele Aktionen statt. Die zentrale Veranstaltung befindet sich an der Brunnenlandschaft in der Wolfsburger Innenstadt. Der Ratsfelsen passte hervoragend in das Bild hinein. Wir hatten natürlich hohe Erwartungen an den zweiten Ratsfelsen, da wir auch die Zusage von Herrn Schnellecke, dem Oberbürgermeister von Wolfsburg hatten. Besser konnte es doch gar nicht kommen. Aber es kam ein wenig anders als geplant. Wir hatten diesmal leider nicht so viele Kinder wie beim ersten Ratsfelsen auf den Luftsprüngen. Was man auch verstehen kann. Aber diejenigen, die dort waren, hatten wieder viele Fragen, die von den Politikern beantwortet wurden. Nachdem es eine Menge Fragen und Antworten gab, passierte etwas, dass den ersten Ratsfelsen von dem jetzigen unterscheiden sollte.
Es wurde eine Vereinbarung mit der Stadt unterschrieben, die besagt, dass sich die Politikerinnen und Politiker der Stadt Wolfsburg und die Mitglieder des Ring Deutscher Pfadfinderinnen bzw. Ring deutscher Pfadfinder verpflichten, sich für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention stark zu machen und darauf zu achten, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendichen in der Ausgestaltung der Politik zu achten sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungen, die sie betreffen, zu ermöglichen ist. 

 :: Palamentarischer Abend in Berlin

Teddy in Berlin
Hallo, für alle die mich noch nicht kennen, ich bin Teddy. Normalerweise bin ich ja bei Melanie zuhause, aber so manches mal kommt es doch vor, dass ich ein paar Abenteuer mit den Pfadfindern erlebe. So war es auch am 27.Oktober 2004, da bin ich mit Melanie nach Berlin gefahren. Ich wusste so ganz und gar nicht, um was es geht. Als wir dann aber im Wolfsburger Bahnhof angehalten haben und da noch drei Pfadfinder mit in den Zug eingestiegen sind, dachte ich mir, die kenne ich doch. Klar, das waren Bassi, Sandra und Alea. Die habe ich schon beim ersten Ratsfelsen in Wolfsburg kennengelernt. Das war da voll super, da waren ganz viele Kinder und Politiker in einer Jurte und die haben sich unterhalten. Aber es durfte immer nur der was sagen, der mich in der Hand hatte. Der Rest musste zuhören. Das war voll toll, denn die Kinder haben so manche tolle Vorschläge und Fragen für die Politiker gehabt. Aber da fehlt doch noch einer, wo ist denn Stefan? Der hat den Ratsfelsen doch auch mit moderiert, schade dass der nicht da ist.
Auf der Fahrt nach Berlin habe ich dann erfahren um was es geht, warum wir überhaupt nach Berlin fahren. Die vier haben irgendwas von einem "Parlamentarischen Abend" erzählt und von einer Talkrunde, in der das Projekt "Ratsfelsen" vorgestellt werden soll. Das habe ich allerdings nicht so genau mitbekommen, denn ich muss sagen, ich war noch ein bisschen müde und bin dann eingeschlafen.
Als ich aufgewacht bin, war mir allerdings ein wenig mulmig im Bauch. Ich hab bei Sandra auf dem Schoß gesessen und außer uns saßen da noch ganz viele andere Leute in einem Raum, die ich noch nie gesehen habe. Aber halt, den einen den kenne ich. Das ist doch der Herr Müntefering, der da gerade etwas erzählt. Plötzlich haben alle geklatscht, schade da war seine Rede schon zu ende. Ich hätte doch gerne mitbekommen, was er gesagt hätte. Oh, jetzt steht da eine Frau auf der Bühne, und erzählt was von den Projekten von "Come an contract". Uii, das waren 108 Projekte, und 5 davon sollen heute Abend vorgestellt werden. Da bin ich ja mal gespannt, was es außer dem Ratsfelsen noch so gibt.
Um die ersten beiden Projekte vorzustellen, werden jetzt die beteiligten Leute auf die Bühne gebeten. Da ist ein Junge, der hat den "Kohlenkick" organisiert. Das war ein Benefiz-Fußballturnier, bei dem aus den Einnahmen und Spenden ein Ausbildungsplatz geschaffen wurde. Und dann, dass kann doch wohl nicht wahr sein, da hat noch jemand einen Ratsfelsen gemacht. Aber hee, warum steht ihr denn jetzt auf. Oh weh, Sandra und Bassi wurden auf die Bühne gebeten, und ahh halt, was soll das. Die nehmen mich mit. Aber ich will doch gar nicht, ich bekomme doch so schnell Lampenfieber. Mal sehen, ob ich mich irgendwie unter Sandras Arm verstecken kann. Mist, kein Platz, die schauen mich alle an, ojemine, ein Glück das Teddys nicht rot werden können.
Die Moderatorin fragt jetzt Bassi, was sie mit dem Ratsfelsen erreichen wollen und was sie dieses Jahr schon erreicht haben. Er sagt, dass es in dem Projekt darum geht, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mit Politikern auf einer Augenhöhe zu unterhalten. Dass sie ernst genommen werden und dass sie bei politischen Entscheidungen, die auch sie betreffen, ein Mitspracherecht haben. Danach fragt sie Sandra nach einer Besonderheit bei dem Ratsfelsen. Das weiß ich auch, denn da geht es um mich, ihr wisst ja, es darf nur der was sagen, bei dem ich gerade bin. Ohh, die schauen mich alle an, ich glaube das hat Sandra auch gerade gesagt. Ich schäme mich so… Aber hey, die schauen mich ganz bewundernd an. Als wäre ich was Besonderes. Oh man ist das toll. Da würde mich wahrscheinlich gerade so mancher gerne in den Arm nehmen, um auch was sagen zu dürfen. Ich bleib aber lieber hier bei Sandra.
Kurz darauf mussten wir leider schon wieder von der Bühne runter, schade eigentlich. Ich habe mich da gerade so richtig wohl gefühlt.
Zum Schluss sind Sandra und Bassi mit mir aufgestanden und wollten noch mit irgendwem reden. Klasse, gibt bestimmt auch gleich was zu essen. Aber hee, zum Büfett geht es da lang, wo wollt ihr denn hin. Aber das ist ja Herr Müntefering, der ist ja ganz nett. Der fragt die beiden sogar was, ganz schön spannend. Und jetzt, der Herr Müntefering nimmt mich auf den Arm, und die machen ein Foto mit mir. Ohh was bin ich stolz auf die Pfadis, was man mit denen so alles erlebt, aber ich werde schon wieder müde und wird jetz auch erst mal wieder schlafen gehen.
Bis zum nächsten mal, ich werde mal wieder was von mir hören lassen. Das war bestimmt nicht das letzte mal, dass ich mit den Pfadfindern was erlebt habe,
tschüss, euer Teddy  :: Anregungen der Kinder tragen Früchte

Im Wolfsburger Kurier stand am 7. November folgender Artikel 
 :: Teddy bei der Arbeit

Hallo, ich bin's wieder, der Teddy. Ich hab mir gedacht, dass ich, wenn ich schon immer mit den Pfadfindern unterwegs bin und soviel erlebe, auch mal etwas für die machen kann. Ich muss sagen, ich habe ja ganz schön lange überlegt, was ich machen könnte, bis mir dann eingefallen ist, was ich machen kann. Ich werde nämlich ganz heimlich die Dokumentation für Stefan und Bassi schreiben. Die lege ich dann ins Horstbüro auf den Schreibtisch, ohh man, was werden die Augen machen. Aber nun erst mal ans werk.....

..... uihh war das anstrengend. Mit so dicken Bärentatzen ist das echt nicht gerade einfach, diese kleinen Tasten auf der Tastartur zu treffen. Aber ich habe es ja nun doch noch geschafft. Für so einen Teddy wie mich ist das alles kein Problem. Jetzt erst nochmal korrekturlesen, dann noch schnell drucken und heften und dann bin ich auch schon wieder weg. Halt, ein Foto könnte ich ja von mir noch machen, sonst weiß ja keiner, was ich hier für Arbeit hatte.
Bis bald, Teddy
Wenn ihr noch mehr von mir und meinen Abenteuern lesen wollt, klickt [hier]!!!  :: Fazit des ersten Jahres

Nachdem alles als gute Idee anfing, wurde uns nach und nach bewusst, dass man zur Umsetzung dieser Idee mehr Arbeit investieren müsste als ursprünglich berechnet. Geholfen haben jedoch immer wieder positive Reaktionen und spontan angebotene Unterstützung sowohl seitens der Politik als auch aus dem Jugendamt. Speziell wären hier die Stadtjugendpflegerin Iris Bothe und der Leiter des Kinder- und Jugendbüros, Martin Fleischhauer, zu erwähnen.
Am Anfang war das Wort: "Ratsfelsen". Und die bei den Pfadfindern seit vielen Jahren bewährte Methode gleichen Namens, verbunden mit der Idee, dies auf kommunaler Ebene als Partizipationsprojekt durchzuführen.
Also, an die Arbeit: Erstmal ein wenig Schriftkram durch die Stadt schicken, allgemein die Bereitschaft abklopfen, bei so etwas mit zu machen. Beste Reaktion: der Anruf von Iris Bothe, oder besser ihrer Sekretärin, zwecks Vereinbarung eines Gesprächstermins mit Iris höchstselbst nebst zwei bis dahin nicht näher erwähnten Personen. Einer davon stellte sich als Martin Fleischhauer, Leiter des Kinder- und Jugendbüros heraus und seit diesem Treffen unser Ansprechpartner in Sachen Ratsfelsen. Inhaltlich brachte uns das Gespräch 1. einen Termin, an dem wir unser Projekt dem Jugendhilfeausschuss vorstellen durften und 2. zwei Termine, an denen wir den Ratsfelsen durchführen wollten: den ersten im Rahmen des Kinderfestes "Luftsprünge" am Schillerteich und den zweiten am Weltkindertag in der Wolfsburger Fuzo.
Ab diesem Moment lief quasi alles von selbst, die größte Hürde war genommen. Iris und Martin waren eine enorm wichtige Unterstützung für unser Anliegen, da sie uns immer mit Rat und Tat zur Seite standen, uns auf die Tagesordnung der Jugendhilfeausschusssitzung setzten und unsere Briefe an die Politiker über den stadteigenen Verteiler verschickten. Das sparte sowohl Zeit, Nerven, Anstrengung und Arbeitsaufwand als auch Geld (Porto).
Bis zum ersten Ratsfelsen herrschte eine ganze Zeitlang Funkstille. Die Briefe waren verschickt, nur die Rückmeldungen ließen auf sich warten, vielleicht hätten wir doch eine Uhrzeit reinschreiben sollen, und das war nicht das einzige Manko. Das Pfadfinderprinzip des "learning by doing" hat mal wieder voll zugeschlagen. Immer, wenn man meinte "Hey, das war klasse, jetzt sind wir fertig" fiel wieder irgend jemandem irgend etwas auf was fehlte, falsch war oder besser hätte formuliert werden können. Also jede Menge "doing" und daraus resultierend auch jede Menge "learning".
Nachdem wir also die Uhrzeit noch in Politikerkreisen publiziert und hier und da nachgefragt hatten, trafen die Rückmeldungen ein und am Ende hatten wir von fast jeder Fraktion eine Zusage. Alles bestens, der Ratsfelsen konnte kommen.
Und er kam. Und mit ihm die Fragen, Unsicherheiten, Unwägbarkeiten: kommen die Politiker, haben sie verstanden, was wir mit "Dialog auf Augenhöhe meinten" und verhalten sie sich auch so? Kommen Kinder, und wenn ja, sagen sie etwas und wenn noch mal ja, hat das auch Sinn? Zwei Nervenwracks auf einem Kinderfest, ihre Gruppenleiter durch die Gegend scheuchend ("holt hier Kinder ran und erzählt denen, was wir hier machen"), Ausschau nach Politikern haltend und sich immer wieder die Frage stellend:
HABEN WIR IRGENDETWAS WICHTIGES VERGESSEN?
Wie konnte es anders sein, die Antwort lautete: Ja. Denn man kann Kinder und Politiker haben wie man will, bei Open-Air-Veranstaltungen gibt es immer einen unkalkulierbaren Faktor: das Wetter. Pünktlich zu Beginn des ersten Ratsfelsens der erste Regen. Also: Ab in´s Zelt, eine der besten Ideen, die wir je hatten, denn dadurch war alles viel enger, dichter, und vor allem auch ein wenig "abgeschottet". Also weniger laut und weniger Ablenkung von außen, dadurch auch bessere Konzentration, zuhören und – wie erhofft und erträumt – Dialog auf Augenhöhe, alles war perfekt. Die Kinder hatten Anliegen, die Politiker haben sie ernst genommen. Und wir haben sie uns aufgeschrieben, um nachzuhaken.
Die Organisation des zweiten Ratsfelsens lief wesentlich besser, wir haben ja gelernt. Zusagen kamen früher und alle wussten, was sie erwartet. Es waren bekannte Gesichter vom letzten Ratsfelsen dabei, sowie einige neue. Darunter auch unser Oberbürgermeister Rolf Schellecke sowie der erste Stadtrat Klaus Mohrs.
Was diesen Ratsfelsen vom ersten unterschied, war, dass diesmal eine Vereinbarung zwischen der Stadt und den Pfadfinderverbänden unterschrieben werden sollte, in der unter anderem festgehalten wurde, dass der Ratsfelsen zu einem festen Bestandteil der Wolfsburger Politik werden soll. Wir dachten mal wieder, es passt alles, schließlich lief der erste Ratsfelsen super, wir wussten was und vor allem wer kommt, nur eins haben wir nicht bedacht. Der Weltkindertag in der Wolfsburger Fußgängerzone ist kein Kinderfest wie Luftsprünge. Es waren deutlich weniger Kinder vor Ort, die man hätte ansprechen können. Der Ratsfelsen lief also in einem kleineren Rahmen, aber das Niveau blieb weiterhin hoch. Wir haben allerdings wieder was gelernt: auch wenn man davon ausgeht, dass auf dem Fest zum Weltkindertag viele Kinder in der Fußgängerzone sein sollten, muss das nicht immer stimmen.
Alle diese Umstände konnten aber die anwesenden Vertreter aus Politik und Pfadfinderei nicht daran hindern, die Vereinbarung zu unterschreiben.
Unser ganz persönliches Fazit der gesamten Aktion:
Der Ratsfelsen hat sich als gutes und sinnvolles Partizipationsprojekt herausgestellt. Es war sinnvoll, den Schritt zu wagen, eine Pfadfindermethode leicht modifiziert in die Öffentlichkeit zu tragen.
Klar ist, dass noch einiges vor uns liegt auf dem Weg zu einem immer respektvollen und vernünftigen Umgang mit Kindern und ihren Bedürfnissen, Wünschen und Anliegen. Aber der Ratsfelsen war ein wichtiger Schritt. Unser Vorteil war, dass in Wolfsburg schon lange der Wert von Kindern und ihrer Meinung bekannt ist, also fielen unsere Bemühungen auf fruchtbaren Boden.
Es gibt noch einiges zu tun, wir möchten den Ratsfelsen bekannter machen und andere Vereine und Institutionen mit ins Boot holen, die ersten Kontakte sind geknüpft, es läuft.
Und wir halten den Ratsfelsen für so gut und sinnvoll, dass wir ihn über die Stadtgrenzen Wolfsburgs hinaus tragen wollen, damit bald auch in vielen anderen Städten in Deutschland zwischen Kindern und Politikern ein Dialog "auf gleicher Augenhöhe" stattfinden kann. Dass es möglich ist, haben wir in Wolfsburg bewiesen.
Wir sind stolz darauf, den ersten Ratsfelsen in dieser Form in Deutschland durchgeführt zu haben und hoffen, dass auch andere diese Idee aufgreifen und weiterführen. Wir haben den Stein ins Rollen gebracht, vielleicht trifft er noch auf andere und wächst so langfristig zu einer Lawine (einer guten, natürlich).
Danke an alle, die uns dabei unterstützt haben
Bassi & Stefan

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